| Bei dem Vergleich der im letzten Jahr
veröffentlichten Zuchtanträge mit den tatsächlich erfolgten Verpaarungen,
kommt die Frage auf, warum gab es im vergangenen Jahr so wenig Welpen im VHH?
Zwar wird gelegentlich eine geplante Verpaarung nicht durchgeführt, weil
zeitliche/ berufliche oder familiäre Probleme sich nicht mit einer
liebevollen und verantwortungsbewussten Aufzucht, wie von uns gewünscht, in
Einklang bringen lassen, also eine Entscheidung aus Vernunft. Jedoch fahren
in den meisten Fällen die Züchter mit ihrer Hündin voller Hoffnung (Stress)
zum „Auserwählten“ und hoffnungslos wieder nach Hause, weil „es hat nicht
geklappt“. Und dabei ist es doch eine ganz „natürliche“ Angelegenheit?! |
| Sicher
natürlich! Aber leben unsere Hunde wirklich natürlich, nämlich von der
Natur geprägt? Sind nicht gerade unsere „Familienmitglieder“ in ihrem
Verhalten, ihren Instinkten, somit auch in ihren Fortpflanzungsgewohnheiten
sehr stark beeinflusst und eingeschränkt in ihrer „Natürlichkeit“?
Beeinflussen wir Menschen nicht selbst maßgeblich unsere Hunde mit unserem
eigenen Verhalten? |
| Es könnte doch so einfach sein!? Die Hitze
unserer Hündin wird sehnsüchtig erwartet. Endlich, sie markiert! Bald, ja
bald. Oder auch nicht! Denn manche Hundedame schafft es, ihre geplagten
Menschen 6 Wochen und mehr auf die Folter zu spannen. Oder sie „verschweigt“
ihre eingetretene Hitze, so dass der angehende Züchter keine Angaben zum 1.
Tag der Hitze machen kann. Ihr Scheidenausfluss kann so gering oder hell
sein, dass dieser erst spät bemerkt wird. Oder aber die Hündin hält sich
sehr reinlich so dass „verdächtige“ Spuren beseitigt werden. |
| Also wird,
um wirklich den 1. Tag der Hitze nicht zu verpassen, kontrolliert,
kontrolliert, kontrolliert………. Und endlich, der 1. Blutstropfen! Oder ist es
vielleicht doch nur ein bisschen leicht „getönter“ Ausfluss? Mit Argusaugen
wird der Entwicklung überwacht. Hund fragt sich „was ist los“. Mensch ist
nicht wiederzuerkennen. Aber endlich, ganz sicher, es ist soweit! Und nun ja
nichts verpassen, nichts falsch machen, nichts vergessen! Die Zuchtleitung
informieren, den Deckrüdenbesitzer, auch den Ersatzdeckrüdenbesitzer. Ist es
wirklich erst der 1. Hitzetag? War da nicht schon gestern auf dem Boden
etwas zu sehen? War der Nachbarsrüde nicht schon sehr auffällig? Und was
ist, wenn wir zu spät sind? Zu früh? Und wenn es nicht klappt? Tage zählen!
Vielleicht sollte schon mal ein Versuch gestartet werden? Kann nichts
schaden. Oder doch? |
| Es werden
Bücher gewälzt, das WWW durchforscht, telefoniert, geplant, gerechnet…. Die
ganze Familie steht Kopf. So ist es nicht? Oh doch, genau so! Es ist
aufregend schön. Und doch sehr anstrengend, besonders für die Hündin, die
nun einmal im Mittelpunkt steht. |
|

|
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Wann ist es endlich soweit? |
| Leider gibt es keine Regel, an die sich jede
Hündin hält. Selbst von einer Hitze zur nächsten kann sich das
Verhaltensmuster einer jeden Hündin, der Ablauf der Hitze, die Länge des
Proöstrus (Vorbrunst) und besonders des Östrus (fruchtbare Phase) völlig
unterschiedlich zeigen. |
| Wer seine läufige Hündin täglich beobachtet,
wird vielleicht an ihrem Verhalten den richtigen Decktag erkennen. Leben
mehrere Hündinnen in einer Gemeinschaft, zeigen sie in der Hochbrunst
untereinander gerne ein sehr auffälliges Benehmen indem sie (mangels
passendem Partner) ihre Begattungsbereitschaft gegenseitig demonstrieren.
Einige Hündinnen machen durch rüdenhaftes Beinchenheben auf sich aufmerksam
oder heulen, zum Leidwesen aller, wie Wölfe. Sie verweigern die Nahrung,
fressen wie ausgehungert, sind sehr anhänglich - sehr aufmüpfig...... .
Jedoch ist auch dieses Verhalten nicht immer ernst zunehmen, wie oft genug
bewiesen wird. |
|
Für so manchen Züchter ist der
eigene, oder der befreundete Nachbarsrüde, als Alarmanlage sehr hilfreich.
|
| Oder aber man verlässt sich auf die von
Tierärzten angebotenen Untersuchungen (Vaginoskopie und
Progesteronbestimmung). Diese jedoch sind nicht immer verlässlich und machen
z.B. keinen Sinn, wenn die fruchtbare Phase sich gerade einmal über 1-2 Tage
erstreckt. Leider erweisen sie sich, wenn nicht korrekt durchgeführt, als
nicht brauchbar. Ebenso wenig verlässlich sind häufig gemachte Angaben der
verschiedensten Informationsquellen (Literatur, Internet). Würde man sich
auf gängige Regeln verlassen, die die fruchtbaren Tage um den 11. bis 13.
Tag der Hitze beschreiben, wären wahrscheinlich 40% aller Hündinnen
unfruchtbar, nämlich weil sie schon am 8. oder aber erst am 18. Tag, oder
noch später, deckbereit sind. |
| Besonders schwierig wird es, wenn Rüden und
Hündinnen an mehreren Tagen bzw. während der Vorbrunst Paarungsbereitschaft
zeigen. Lässt sich unsere Hündin schon einige Tage vor dem Eisprung belegen,
wird die Enttäuschung groß sein, denn der Züchter fährt nach vermeintlich
erfolgreicher Hochzeitsnacht in „trügerischer“ Hoffnung nach Hause. Wohl
dem, der seinen eigenen Deckrüden zur Verfügung hat. |
| |
| So zeigte sich unsere 1. Hovawart-Hündin
Candy bereits am 10. Tag ihrer Hitze „mannstoll“. Sie mühte sich redlich
unseren Rüden zu verführen, der jedoch nicht an einem Rendezvous
interessiert schien. Viele gute Ratschläge von Züchtern und Zuchtleiter
halfen uns da nicht weiter. Wir hatten bereits unsere Wurfpläne begraben,
als Astor am 16. Hitzetag aktiv wurde. Dieser Wurf brachte 11 Welpen.
|
| Unsere 2. Hündin Babsy überzeugte uns mit
„ihrem Aufstand“, obwohl unser eigener Rüde nicht sonderlich interessiert
war. Nur weil sie keine Ruhe gab, fuhren wir am 9. Tag der Hitze zum
Deckrüden. Eine der unromantischen Begegnungen, die keine 20 Minuten
dauerte! Das gleiche am 11. Tag. Als aber unser Rüde erst am 15. Tag
liebeskrank wurde, fuhren wir ein 3. Mal nach Wuppertal, mit Erfolg! Der
Wurftag bestätigte den letzten Decktag. |
| Unser 1. Rüde weigerte sich regelrecht, die
im damals um den 11. Hitzetag zugeführte Fremdhündin zu ehelichen. Der dann
schließlich doch durchgeführte Deckakt, war vermutlich mehr eine
Verzweiflungstat. Während die Hündin ihn ununterbrochen umgarnte, glaubten
wir, ihm gut (eher gefrustet) zuredeten zu müssen („Du weißt doch wie es
geht? Stell Dich nicht so an!……“). Diese Verpaarung brachte keine Welpen.
Hier wäre es besser gewesen, dem natürlichen Instinkt des erfahrenen Rüden
zu glauben und 2-5 Tage später einen weiteren Versuch zu unternehmen. |
| Weitere gravierende Unterschiede finden sich
in der Dauer der Ovulation. Während der Eisprung bei der einen Hündin auf 24
Stunden begrenzt ist, kann er bei anderen Hündinnen über 4 bis 6 Tage
ausgedehnt sein. Das bedeutet, die Ovulation findet in einem länger
angelegten Zeitraum statt, die Hündin ist über diese ganze Zeit
aufnahmefähig. |
| Jedoch ist eine Belegung über viele Tage
wenig sinnvoll, da dadurch die Gefahr besteht, bei termingerechter Geburt
untergewichtige Welpen in einem Wurf zu haben. |
| |
| Es gibt nichts was unmöglich wäre! Sie sehen
wie wichtig es ist, seine Hündin selbst zu beobachten, und zwar bereits in
den vorangegangenen Hitzen!! |
| Bereits einige Tage (bis zu 6 Wochen) vor
der Hitze ändert sich das Verhalten einer Hündin. Sie |
 | markiert ihre Umgebung, indem sie gezielt auf
Erhebungen wie Grasbüschel, etc., häufiger kleinere Bächlein absetzt |
|
 | wirkt anhänglicher oder aufmüpfiger als normal |
|
 | zeigt sich futtermäkelig oder verfressen |
|
 | ist auffallend wachsam oder träge |
|
 | ignoriert Befehle oder mimt die Unterwürfige.
|
|
| |
| Diese „Auffälligkeiten“ sollten einen
Züchter aufmerksam machen. Schon von dieser Zeit an wird einmal täglich mit
einem sauberen Zewa oder Tempo die Scheide auf evtl. Ausfluss kontrolliert
(tupfen). |
| Gleichzeitig beobachtet man die
Scheidenbeschaffenheit (auch Nüsschen, Vulva oder Scham). Sie ist
|
 |
bis etwa 10 Tage vor der Hitze klein,
schlaff und weich |
|
 | während der ersten Hitzetage stark angeschwollen, prall
und hart |
|
 | während des Eisprungs (Paarungszeit) heiß, weich und
faltig. |
|
| Der Ausfluss ist im optimalen Fall
|
 | in den ersten 7-8 Tagen dunkelrot (venös). Danach |
|
 | bis zum Abschluss der Ovulation blassrosa
(fleischwasserfarben), evtl. auch gelblich-weiß, der optimale
Deckzeitpunkt und |
|
 | nimmt zum Ende der Hitze wieder eine dunkelrote bis
fast schwarze Farbe an oder
|
|
 | versiegt gleich nach dem Östrus. |
|
| Die Dauer der Hitze variiert so stark |
 | dass die Angabe von etwa 3 Wochen und dem möglichen
Decktag um den 11. - 13. Tag der Hitze nicht zuverlässig ist. (Trippelnde
Schritte, hochgewölbter Rücken, zur Seite gebogene Rute, lassen sich durch
Kraulen im Bereich der Schwanzwurzel schon im Anfangsstadion der Hitze
auslösen. D.h. zur Bestimmung des optimalen Deckzeitpunkt nicht
bedeutend.) |
|
|

|
| Aber wann ist es
tatsächlich so weit? |
| Lassen wir unserem Liebespaar doch einfach
die Zeit. Jedes Lebewesen ist einzigartig und ist somit nur bedingt an
bestimmte Verhaltens- und Fortpflanzungsregeln gebunden. Wir beobachten
unser Hündin, ihr Verhalten, die o. erwähnten Entwicklungsstufen und bemühen
frühestens dann den Deckrüden und seine Besitzer, wenn der Scheidenausfluss
sichtlich heller wird. |
|

|
|
Die Ankunft bei dem Deckrüden |
| Es ist selbstverständlich, dass der
Deckrüdenbesitzer rechtzeitig, also gleich am 1. Tag der Hitze informiert
wird! Und ebenso verständlich heißt es: „Mit vollem Magen arbeitet man
(Hund) nicht!“ |
| Nach einer längeren Autofahrt sollte der
Hündin erst einmal die Möglichkeit geboten werden, sich bei einem
Spaziergang zu entspannen und ihr Geschäftchen zu verrichten, bevor sie ihr
Partner begrüßt. Sobald sicher ist, dass beide Hunde sich verstehen,
überlässt man ihnen das Revier, hält sie aber im Auge und wird fasziniert
sein, von dieser liebevollen Begegnung. Die Hündin wird umgarnt, beleckt,
liebkost und genießt......... Je nach Temperament (Trieb) kommt der Deckrüde
gleich zur Sache. Oder er versucht es zumindest. Ist die Umworbene bereit?
Von ihm angetan? Mag sie sein Temperament? Oder möchte sie liebevoll
umworben werden? |
| Andererseits, fragen wir den Rüden! Liebt er
die feurige Dame, die ihn umgarnt, dass ihm Hören und Sehen vergeht? Lässt
er sich von einem halbherzigen Drohen beeindrucken? Ist eine vollkommen
neutrale Hündin nicht attraktiv genug? |
| (Hierzu sei angemerkt: Auch wenn es kaum
praktiziert wird; bereits lange vor der einsetzenden Hitze sollte und kann
getestet werden, ob ein Pärchen kooperativ ist/ sein wird. Auch unsere Hunde
haben Vorlieben und Abneigungen. Was absolut nicht passen will, sollte
akzeptiert werden. So mancher empfindsame und sexuell weniger aktive Rüde
wird sich durch eine freche „Göre“ einschüchtern lassen. Ebenso wie eine
zurückhaltende oder auch ängstliche Hündin regelrecht die Flucht ergreift,
bzw. zum Angriff übergeht, wenn ihr der Liebhaber aufs „Fell“ rückt.) |
| Es gibt einige „Naturtalente“, die gleich
ihren 1. Deckakt wie alte Routiniers durchführen. Sicher ist dies aber eher
die Ausnahme. |
| |
| Nach mehr oder weniger langem Vorspiel,
dessen Länge sich nach Temperament und Ausdauer beider Partner richtet, zu
dem auch das gegenseitige Besteigen des Partners, mal von vorne, von hinten,
von der Seite, als müsse man sich erst einmal einüben gehört, werden beide
Hunde ruhiger. Die Hündin zeigt sich begattungsbereit, sobald sie mit
gesenktem Kopf, leicht hochgewölbtem Rücken, seitlich abgewinkelter Rute und
angehobener Scheide das Aufreiten des Rüden duldet. Erfahrene Hündinnen
helfen durch verschiedene Gesten, ihrem unerfahrenen Liebhaber die richtige
Position zu finden (oder aber sie schicken ihn entnervt zum Kuckuck). Sobald
diese stimmt, umklammert der Rüde mit beiden Vorderläufen die Lenden der
Hündin. Die Hinterläufe stehen seitlich außerhalb deren Hinterhand. Er zieht
sie so weit zu sich heran, dass sein Kopf auf ihren Schultern zu liegen
kommt. Gleichzeitig sucht er mit seinem Penis die Scheidenregion der Hündin
ab, um nach einigen Stößen, die durch trippelnde Bewegungen seiner
Hinterhand begleitet werden, einzudringen. Auch wenn ein Eingreifen der
Besitzer meist nicht nötig wird, sollten beide „sprungbereit“ sein, da
manche Hündin das Anschwellen der Schwellkörper am Glied des Rüden, sowie
der Schwellkissen in ihrer Scheide als sehr unangenehm empfindet. Beide
Hunde werden, sofern erforderlich, vorsorglich am Halsband festgehalten,
gelobt und ruhig angesprochen, da der Versuch sich loszureißen beiden
Deckpartnern schwere Verletzungen zuführen kann. Nach kurzer Zeit steigt der
Rüde „während des Hängens“ vom Rücken der Hündin, indem er
beide Vorder- und 1 Hinterläufe auf eine Seite der Hündin stellt um Becken
an Becken (Po an Po) den Deckakt zu beenden. Während dieser Phase zeigen die
Paare ein recht unterschiedliches Verhalten: |
 | Sie stehen völlig entspannt |
|
 | wie desinteressiert still, |
|
 | oder drehen sich fortwährend langsam im Kreis. |
|
 | Es wird geseibert, gestöhnt, oder gejammert, |
|
| bis sich schließlich die Schwellkörper
zurückgebildet haben und somit das Trennen ermöglichen. In der Regel sind
erst einmal beide Hunde mit dem Putzen ihres Geschlechtes beschäftigt.
Jedoch muss so manche Hündin anschließend „Luft ablassen“ und saust
„unkontrolliert“ durch den Garten, ohne auf herumstehende Menschen Rücksicht
zu nehmen. Da ohnehin nun erst einmal die Hündin am Pippimachen gehindert
werden soll, ist es ratsam, sie „ganz unromantisch“ gleich an die Leine und
ins Auto zu nehmen. Der Papa in Spe wird ausgiebig für seine „Arbeit“ gelobt
und hat sich ein besonderes Leckerle verdient. Ob es unbedingt notwendig
ist, eine Liebesnacht so drastisch zu beenden, wird niemand genau sagen
können. Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Keine wildlebende Hündin
würde sich nach dem Deckakt zur Ruhe begeben und trotzdem aufnehmen.
Andererseits wird sie sicher über mehrere Tage belegt, was bei getrennt
lebenden Partnern nur selten möglich ist. Unsere eigenen Hündinnen stürmten
bisher immer gleich ab in Richtung Auto und schliefen während der Heimfahrt
ganz entspannt, was ihnen zustand. |
|

|
|
Deckschwierigkeiten |
| Neben den bereits genannten, wie z.B. |
 | der falsche Zeitpunkt (zu früh - zu spät) |
|
 | Sympathie |
|
| sind auch weitere Faktoren zu erwähnen, die
einen Deckakt unmöglich machen, wie z.B. |
 | hormonelle Störungen |
|
 | körperliche Mängel (Bandscheibenvorfall, Arthrose,
Scheidenvorfall, Penisknochenverkrümmung, etc.) |
|
| Ganz wesentlich ist die Auswahl des
Verpaarungsortes von Bedeutung. Hier ist der Wohnort (das Reich) des Rüden
immer die 1. Wahl, da der Rüde dort als Hausherr „regiert“, somit nicht erst
seine Überlegenheit in frage gestellt wird. Jedoch spielt auch hier die
Rangordnung des Rüden eine bedeutende Rolle, sofern in seiner Familie
weitere Hunde leben, er selbst keinen „hohen Rang“ besitzt. |
| Auch kann die Anwesenheit weiterer Hunde im
nahen Umfeld einen Deckakt vereiteln. Ebenso wenig eignet sich ein großer
eigener Garten, wenn dieser an einer stark besuchten Strasse liegt und
ständiger Publikumsverkehr stört. |
| |
| Die Psyche eines jeden Hundes muss heute
besonders berücksichtigt werden. Wir können unsere Hunde nicht mehr mit
ihren wildlebenden Ahnen vergleichen, die ihr ganzes Leben in einem
gemeinsamen Rudel verbringen und somit der „Partner“ ähnlich sozialisiert
und vertraut ist. Was Verhaltensforscher in ihren Studien unter Wölfen
entdeckten, ist in der Hundezucht kaum realisierbar; dem eigentlichen
Deckakt gehen viele Tage mit Paarungsspielen voraus. Wer selbst ein
Hundepärchen in seinem Haus hält, kann dies bestätigen! Bereits einige Tage
vor der Hitze wird die Hündin fleißig von ihrem Liebhaber umworben,
„gepflegt“ und nicht aus dem Auge gelassen (Wir lassen unseren Hunden, bis
zu den sog. fruchtbaren Tagen, dieses sichtliche Vergnügen.). Aber wann hat
ein Hundepaar tatsächlich diese Möglichkeit? Auch ist nachgewiesen, dass
Wölfe eine lebenslange Bindung mit einem Partner eingehen. Dieses „Erbgut“
dürfte auch heute noch mit von Bedeutung sein. Einige Züchter halten
vorzeitige Besuche bei dem ausgewählten Deckrüden für unnötig und sind dann
enttäuscht, wenn die „Chemie“ nicht stimmt. Schließlich wird der Deckrüde
für diese Miesere verantwortlich gemacht, weil er offensichtlich nicht
kapiert, was man von ihm erwartet!? Unsere Hündin möchte vielleicht
ausgiebig umworben werden und weist jeden feurigen Liebhaber ab. Vielleicht
gefällt ihr ausgerechnet DER Rüde nicht! Schließlich hat auch ein
Hovawart-Mädchen ihren eigenen Kopf. |
| |
| Aus dem „Praktischen Ratgeber - Hunde
züchten (Frank Jackson)“ bietet sich folgender Absatz an: Es ist wichtig,
dass junge Hunde das tief verwurzelte Verhalten praktizieren, entwickeln und
perfektionieren können... Für die Zucht ausgewählte Rüden sollten die
Fähigkeit entwickeln, Bindungen zu anderen aufzubauen und ihren Platz in
solchen Beziehungen zu behaupten, ohne aggressiv zu werden. Dies entspricht
dem typischen Rudelverhalten, das wir unseren Hunden kaum bieten können, in
ihrem menschlichen Rudel, viel von ihrem Sexualinstinkt eingebüßt. Diese
sexuelle Passivität wird gerne von Kynologen als Mangel abgetan, der in der
Zucht unerwünscht ist, da vererbbar. Jedoch halten wir uns vor Augen, dass
die meisten Hunde (etwa 95%) niemals zum Zuchteinsatz kommen und diese, weil
sexuell eher passiv, als Freund und Begleiter, Haus- und Familienhund, viel
angenehmer auftreten und zu halten sind, als ein stets über beide Ohren
verliebter Vierbeiner, der jede Gelegenheit wahrnimmt seinen „Gefühlen“ zu
„folgen“. Wobei kein Geschlecht eine Ausnahme macht. |
| |
| Wir erwarten heute von unseren Hunden ein
sehr gutes Sozialverhalten in der Familie, im gesamten Umfeld und im
täglichen Umgang mit anderen Artgenossen. Unsere Züchter ziehen ihre Welpen
mit sehr viel Sorgfalt auf und unterbinden, schon in der Kinderstube, evtl.
auftretende Machtkämpfe, womit der „natürliche Instinkt“ unterbunden werden
soll. Die Welpen lernen so, wenn die Natur ihnen nicht gleich eine hohe
Hemmschwelle mitgegeben hat, schon in der Welpenkiste den harmonischen
Umgang mit ihren Geschwistern. Das Gelernte hilft ihnen und ihren neuen
Besitzern, sich im Umgang mit allen Lebewesen zurechtzufinden. Denken wir an
die ersten Attacken, die der Welpe in seinem neuen Zuhause startet: Nicht
aus Aggression, sondern weil es seine Art ist, so die Welt zu entdecken! Zu
spielen! Denken wir auch an unsere erzieherischen Eingriffe! Dann verstehen
wir, warum ein noch unerfahrener Rüde seine Liebesgefühle „vergisst“, wenn
seine ebenso unerfahrene Angebetene sich quietschend seinen
Annäherungsversuchen entzieht (für ihn DAS Signal zum Abbruch). |
| |
| In einigen Hundezüchtungen (bestimmte
Rassen) ist ein Deckakt nur mit Maulkorb möglich, da beide Partner auf Grund
ihres aggressiven Verhalten, selbst in dieser Situation unberechenbar sind.
Eine solche Handhabe ist unverantwortlich! Sie schadet einer Zucht, der
Rasse, weitaus mehr (vererbte Aggressivität!), als ein gelegentlich
ausfallender Deckakt. |
|
Zuletzt schließlich beobachten wir die
„Statisten“. Wie verhalten sich die Besitzer? Sind sie immer vernünftig? Für
die Hunde verständlich? Ist ihnen bewusst, dass sie vielleicht selbst den
Deckakt vereiteln? |
| |
| So mancher angehende Züchter ist in der
Sorge um seine Hündin und oft in seiner Ungeduld mehr als hinderlich. Und
der unerfahrene Deckrüdenbesitzer? (Ich spreche aus eigener Erfahrung als
Züchter und Deckrüdenbesitzer!) Die Enttäuschung ist ihm ins Gesicht
geschrieben! Seine Stimme schwankend! Will er nicht? Kann er nicht? Ist er
zu doof dazu? Man redet dem Brautpaar „gut zu“, läuft
bis in die hintersten Winkel des Gartens hinterher,
äußert sich laut begeistert, dass es fast und beinahe geklappt
hätte, oder stöhnt enttäuscht laut auf, weil es denn doch
nicht so ...... und bringt „den Dummkopf“ schließlich ganz um jedes
Interesse, weil er unsere Enttäuschung missversteht. |
| |
| Deckrüdenbesitzer, die bereits derartige
Erfahrungen hinter sich haben, bestehen gerne darauf, das Paar für mehrere
Tage sich selbst zu überlassen. Sicher eine weise Entscheidung. Nur, wer
will seinen Familienhund ganz sich selbst oder fremden Händen überlassen?
Außerdem kann ein solches Vorgehen sich für alle zukünftigen Autofahrten
oder Reisen negativ auf das Verhalten der Hündin auswirken. |
| |
| Der Deckakt! Die natürlichste Sache der
Welt, wenn wir der Natur eine Chance lassen! |
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Copyright Inge Krümmel |
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